Zwischen Beerdigung und Nachlass – Was im Todesfall zu tun ist

Zwischen Beerdigung und Nachlass – Was im Todesfall zu tun ist
3. November 2020 hejlife
In Vorsorge
Zwischen Beerdigung und Nachlass - Was im Todesfall zu tun ist

Beerdigung, Bestattung, Risikolebensversicherung und Digitaler Nachlass – nur drei Beispiele für Dich die Herausforderungen, mit denen Du konfrontiert wirst, wenn der Tod eines geliebten Menschen Dich gerade ohnehin schon emotional und seelisch hart trifft. Welche Vorsorge wurde getroffen, welche Todesfallabsicherung? Wozu dient eine Sterbegeldversicherung? Was ist ein Digitaler Nachlass?

Wenn der geliebte Mensch im hohen Alter und nach langer Krankheit gestorben ist, mindert das die Traurigkeit über den Verlust nicht, aber Du hattest Zeit, Dich soweit wie möglich vorzubereiten. Jede Situation ist denkbar. Vor allem erhöht es die Chance, dass Vorsorge getroffen wurde und es einen entsprechenden Nachlass gibt.

Die Bürde von Verantwortung und Entscheidungen erleichtern

Denn gerade in dieser Situation ist eine Menge zu tun: Du musst Entscheidungen treffen und vieles regeln, oft innerhalb kurzer Zeit. Vieles betrifft mehrere nahe Hinterbliebene und es lässt sich gemeinsam regeln. Oder die Menschen, die denen diese Verantwortung zukommen, sind nicht in der Lage, diese Dinge zu regeln.

In jedem Fall kann der vorliegende Ratgeber helfen, die wichtigsten Punkte zu klären. Erleichtere Dir die Bürde dieser Verantwortung!

Die Vorsorge als Entscheidung zur Lebenszeit

Gerade ältere und gut organisierte Menschen haben bereits zur Lebenszeit, oft Jahrzehnte im Voraus, Vorsorge getroffen, die Dir nun eine große Erleichterung sein können. Welche Todesfallabsicherung gibt es? Eine Sterbegeldversicherung deckt im Todesfall die Beerdigungskosten. Die Todesfallabsicherung sollte in jedem Fall vertraglich geregelt sein.

Eine Risikolebensversicherung, die oft auch Hinterbliebenenversicherung genannt wird, zahlt der Versicherten Person im Todesfall eine vertraglich festgelegte Summe aus. Versichert sind bei der Risikolebensversicherung oft Kinder, Partner oder eben nahestehende Menschen, die im Todesfall abgesichert sein sollen.

Das Testament als Grundlage

Eine der ersten Fragen lautet: Existiert ein Testament? Dieses spielt beim Nachlass die entscheidende Rolle. Rechtlich bindend, aber auch auf persönlicher Ebene ist es von höchster Bedeutung, dem letzten Willen des verstorbenen Menschen gerecht zu werden.

Mehr zum Thema Testament – Was genau ist ein Testament?

Gemeinsam in Würde Abschied nehmen

Soll die Tante aus Amerika zur Feier eingeladen werden? Auf der sicheren Seite bist Du, wenn Du alle unmittelbaren Verwandten schriftlich einlädst. Denkbar ist auch, die Feier nur für den kleinen Kreis zu veranstalten, die Du sehr persönlich gestalten kannst.

In der weiteren Planung können auch religiöse und weltanschauliche Überzeugungen eine entscheidende Rolle spielen. In aller Regel weißt Du, wie wichtig dem geliebten Menschen seine Religion oder seine individuellen Überzeugungen waren. Hier ist es sinnvoll, sich Hilfe und Rat zu holen. Verschiedene Bestattungsarten müssen diskutiert werden, wenn es im Testament oder im mündlich geäußerten Willen keinen Wunsch hierzu gibt. Du darfst aber nicht vergessen, dass eine würdevolle Feier zum Abschied eines Menschen vor allem Dir und allen Hinterbliebenen guttun soll.

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Die Checkliste mit den wichtigsten Punkten, Schritt für Schritt

Die ersten Schritte nach dem Tod

  1. Ein Arzt stellt Zeitpunkt und Todesursache fest und stellt den Totenschein aus
  2. Das engste Umfeld des verstorbenen Menschen informieren und Dich mit ihnen zusammensetzen (zuerst nur die unmittelbar nahen Personen)
  3. Du solltest die wichtigsten Unterlagen, besonders Identitätsausweise des Verstorbenen bereitlegen
  4. Testament und weitere persönliche Verfügungen sichten (Organspende-Dokument, Wunsch zur Bestattungsart, Nachlass)

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Die ersten zwei Tage

  1. Gibt es Haustiere oder Pflanzen die versorgt werden müssen? Diese und die Wohnung zu versorgen kann auch jemand machen, den Du beauftragst.
  2. Angebote von Bestattungsinstituten einholen und dann persönlich mit den Mitarbeitern sprechen. Wurde eine Bestattungsvorsorge abgeschlossen? Nichts ersetzt in so einer wichtigen, persönlichen Frage ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Die Mitarbeiter sind in aller Regel erfahren und einfühlsam.
  3. Mit dem Bestatter wird die Bestattungsart besprochen, aber auch die Auswahl der Urne, des Sarges und vieles mehr. Einige Aufgaben kannst Du oder die Familie auch selbst übernehmen.
  4. Der Verstorbene wird abgeholt und in die Leichenhalle gebracht
  5. Eine wichtige Formalie ist der Gang zum Standesamt, wo der Tod gemeldet wird und eine Sterbeurkunde ausgestellt wird (diese wird später benötigt!)
  6. Wenn Du ein Testament des Verstorbenen hast, gib dieses beim Nachlassgericht ab.
    1. Lebens- und Unfallversicherung müssen genauso informiert werden wie die Krankenkasse, weitere Freunde, Bekannte und Verwandte

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Die weiteren Schritte

  1. Falls im Gespräch mit dem Bestatter noch nicht entschieden, muss nun die Bestattungsart festgelegt werden, ebenso der Friedhof
  2. Um einen weiteren Kreis von Menschen offiziell über den Tod informieren, schaltest Du gemeinsam mit Familie und Freunden eine würdevolle Todesanzeige, die auch die Informationen zur Beerdigung/Bestattung enthält.
  3. Gemeinsam entscheidet Ihr auch, ob es einen Leichenschmaus oder in welchem Rahmen eine Zusammenkunft der Trauernden nach der Beerdigung stattfindet (beispielsweise zuhause oder in einem Café)
  4. Wenn ein Pfarrer oder Priester die Trauerrede halten soll, ist ein Vorgespräch wichtig, auch hier solltest Du mit den nahestehenden Menschen eine Übereinkunft treffen. Statt eines Pfarrers kann auch ein nahestehender Mensch oder ein Dritter geeignet sein.

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Nach einem hoffentlich würdevollen und angemessenen gemeinsamen Abschied sind noch einige Schritte nötig:

  1. Verträge, Mitgliedschaften und Abonnements, aber auch die grundlegenden Dienste wie Strom, Miete und Telefon sind zu kündigen und Zahlungen einzustellen. Alle, die informiert werden müssen, sollten rundum benachrichtigt werden.
  2. Wie mit den digitalen Spuren im Internet oder Profilen in Sozialen Medien verfahren werden soll, regelt ein digitaler Nachlass
  3. Besonders den Menschen, die zur Trauerfeier anwesend waren, aber womöglich auch einem größeren Kreis solltest Du Danksagungskarten schicken. Möglich ist auch, das nur in wenigen Fällen individuell und für alle anderen per Danksagungsanzeige in lokalen Medien zu machen.
  4. Die wichtigsten Dokumente solltest Du an einem Ort aufheben
  5. Besonders schwierig, aber auch auf emotionaler Ebene wichtig kann die Räumung des Hauses oder der Wohnung sein. Hier kann es aus praktischen, aber auch aus psychischen Gründen hilfreich sein, das gemeinsam zu machen, vielleicht auch mit einem guten Freund.
  6. Im Anschluss an die Testamentseröffnung solltest Du beim zuständigen Nachlassgericht einen Antrag auf Ausstellung eines Erbscheins stellen
  7. Nach einem längeren Zeitraum von mindestens einem Monat solltest Du Dich erstmals ums Grab kümmern und eine Grabpflege beauftragen.
  8. Einen Steinmetz, besonders für die Fertigstellung eines angemessenen Grabsteines aufzusuchen kannst Du nach etwa einem halben Jahr in Angriff nehmen.

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